Akademische Grundkompetenzen

An Universitäten wird oft der Mangel an jenem Wissen kritisiert, dass die Schule hätte vermitteln sollen. Umgekehrt scheitern Universitäten mitunter daran, wenn es darum geht, ihre Absolventen mit jenen Kompetenzen auszustatten, die der Arbeitsmarkt von ihnen verlangt.

Wissenschaftliches Arbeiten an Universitäten ist notgedrungen stärker theoretisch als praktisch, während es in der Wirtschaft meist umgekehrt ist. Welche akademischen Kompetenzen, die an der Universität erlernt wurden, haben auch später noch Relevanz?

Inhalt oder Form?

Der Eindruck, den Studenten vom wissenschaftlichen Arbeiten erhalten, trügt oft. Denn die Überbetonung von Fußnoten, Zeilenabstand und wissenschaftlichen Formalien verführt zu der Annahme, die Form sei wesentlicher als der Inhalt.

Möglicherweise hilft es, sich wissenschaftliches Arbeiten mehr als eine Geisteshaltung vorzustellen, nämlich den Willen, ein Thema tatsächlich zu durchdringen und optimale Ergebnisse zu liefern. Es geht darum, den jetzigen Stand der Forschung zu verstehen und durch eigene Gedanken und Untersuchungen zu ergänzen.

Wissenschaftliche Formalien gehören sicherlich zum Handwerk, was zählt, ist aber die Arbeit, die in das Studium der Literatur investiert wird, die Konsequenz, mit der ein Gedanke verfolgt wird und die zwingende Logik der Schlussfolgerungen.

Akademische Grundkompetenzen bestehen dann in der eigenständigen Anwendung des erlernten Fach und Methodenwissens: Die Kenntnis der relevanten Bereiche und der zugehörigen Literatur, Recherchekompetenz, ein flüssiger Schreibstil, die Fähigkeit zur Selbstmotivation und der Blick für das Wesentliche – die Fragestellung.

Die Fähigkeit, selbstkritisch zu arbeiten und die eigenen Ergebnisse wieder und wieder auf den Prüfstand zu stellen, gehört ebenso dazu.

Akademische Kompetenz durch Erfahrung

Derartige Kompetenzen ergeben sich allerdings nicht von selbst, sondern sind Ausdruck eines ständigen Lernprozesses, der auch lange nach der eigentlichen schulischen oder universitären Ausbildung anhält. Jeder gelesene Aufsatz und jedes selbst verfasste wissenschaftliche Werk stärkt diese Kompetenzen.

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