Akademisches Ghostwriting: Die seltsame Inflation der Agenturen

In den letzten Jahren hat die Anzahl der Ghostwriting-Agenturen stark zugenommen. Was verbirgt sich hinter diesem Trend?

Es ist davon auszugehen, dass hier vor allem drei Faktoren eine Rolle spielen: Einerseits ist das akademische Ghostwriting spätestens seit der Guttenberg-Affäre in den Medien immer wieder stark thematisiert worden. Anderseits hat die Zahl von Akademikern gerade der „brotlosen“ Künste zugenommen. Ein Dritter Punkt könnte sein, dass Ghostwriter, die zuvor für Agenturen gearbeitet haben, eine Chance in Neugründungen sehen. Schließlich scheint es weitaus bequemer, zu vermitteln, als selbst zu schreiben (Gerade für solche „Ghostwriter“, die bei ihrer eigentlichen Schreibtätigkeit nicht besonders erfolgreich waren!).

Was bedeutet dies nun für Kunden, die sich an Agenturen wenden? Bedeutet die größere Vielfalt nicht eine umfassendere Auswahl und damit einen kundenfreundlicheren Markt? Leider ist dem nicht so. Denn im Ghostwriting herrschen andere Bedingungen als bei Produkten oder herkömmlichen Dienstleistungen: Wer sich einen Rechner kauft, kann Prozessorgeschwindigkeit, Speicherkapazität im Katalog vergleichen und wer eine Taxifahrt bucht, hat zumindest eine grobe Orientierung anhand des Preises, wobei sich kaum Qualitätsunterschiede ergeben dürften.

Ghostwritingagenturen können allerdings kein technisches Datenblatt aushändigen, aus dem sich die genauen Vorteile des jeweiligen Schreibers entnehmen lassen. Denn das Schreiben ist gerade im akademischen Bereich eine extrem komplexe Tätigkeit: Was, wenn der Text auf den ersten Blick schlüssig erscheint, bei näherem Hinsehen aber größere Lücken aufweist?

Kunden sollten ehrlich behandelt werden. Dazu gehört es auch, ihnen mitzuteilen, dass die Qualität von Agenturen – auch die von hochwertigen – niemals konstant ist und niemals konstant sein kann.

Denn so sehr jedes Thema individuell gestaltet werden kann, weist auch jeder Autor Eigenheiten und schwankende Tagesformen auf. Was seriöse von unseriösen Agenturen unterscheidet, ist vor allem die Art und Weise, wie Aufträge gehandhabt, und mögliche Probleme gelöst werden: Durch gezielte Einzelansprache qualifizierter Autoren und durch Kulanz gegenüber dem Kunden.

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