Akademisches Ghostwriting: Am „Rande der Legalität“?

Illusionen und Realitäten (1): Die Forderungen des Professorenverbandes

Akademisches Ghostwriting steht mitunter im Ruf, Kandidaten zu unterstützen, die fremde Arbeiten als eigene Prüfungsleistungen ausgeben. In der Tat ist nicht auszuschließen das einige wenige der an den Universitäten eingereichten Bachelor-, Diplom-, Master- und Magisterarbeiten nicht von jenen geschrieben worden sein, die ihre Urheberschaft mittels eidesstattlicher Erklärung versichern.

Ist akademisches Ghostwriting also eine Art Beihilfe zum Betrug? Rechtlich gesehen ist die Situation für Ghostwriter und Agenturen klar. Weder ist es strafbar, Texte (auch wissenschaftliche) gegen Honorar zu erstellen oder zu vermitteln, noch wissen die Agenturen, was mit den von ihnen verkauften Texten oder Textteilen geschieht – ob sie zu Informationszwecken geschrieben wurden, weil ein Professor ein neues Fachbuch veröffentlichen möchte, ob sie in den Niederungen der Bürokratie versinken, weil ein Verwaltungsbeamter nicht in der Lage ist, einen wissenschaftlichen Bericht für seine Vorgesetzten zu erstellen, oder ob tatsächlich ein Student der Auftraggeber ist.

Bevor man überlegt, Ghostwriter an den Pranger zu stellen, wie dies von Seiten des Professorenverbandes medienwirksam gefordert wurde, sollten langjährige Elfenbeinturmbewohner durchaus einen Blick auf die unbequemen Realitäten riskieren.

Die Frage, ob akademisches Ghostwriting nicht illegal sei, ist vor dem Hintergrund mangelnder Informationen und wilder Gerüchte verständlich, teils auch gerechtfertigt. Wer sie allerdings mit einem schlichten „Ja“ beantwortet, macht es sich zu einfach, denn das „Symptom“ akademisches Ghostwriting hat seine Ursachen tief im derzeitigen Bildungssystem. Ein Verbot dieser Tätigkeit wäre vordergründig und würde über die tatsächliche Problematik hinwegtäuschen. Es lohnt sich an dieser Stelle, mehrere Aspekte zu betrachten, hier vor allem das des universitäre Umfelds, die Umsetzung eines möglichen Ghostwriting-Verbots für akademische Texte sowie die Auswirkungen eines solchen Verbots. Die Artikelreihe wird sich in den kommenden Wochen und Monaten diesen Themen widmen und schließlich auch die Titelfrage beantworten.

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