Das Drama mit den Internetquellen (I): Die Recherche

Wie zitiert man was? Was ist wissenschaftlich, was erlaubt?

Das Internet ist zu fast allen Themen die bestmögliche, wenn auch nicht die intensivste oder die am besten strukturierte Informationsquelle: Von der Eingabe eines Suchbegriffs bis zum Aufrufen des zugehörigen Artikels vergehen nur wenige Sekunden und durch die Vernetzung mit Hyperlinks können schnell weitere Informationsquellen erschlossen und genutzt werden. Dies gilt auch für die Wissenschaft: Erkenntnisse können international ausgetauscht werden, in den Fachforen finden Diskussionen auf höchstem Niveau statt.

Anders sieht es dagegen aus, wenn Studenten der ersten Semester nach Quellen für ihre Hausarbeiten suchen und dabei auf eine Vielzahl nützlicher und unnützer Seiten (dazwischen ein Graubereich enormer Breite) stoßen.

Darf und soll ich diese Angabe nutzen? Handelt es sich um eine wissenschaftliche Quelle? Ist es eine Nachricht oder eine Nachrichtenparodie? Ist Wikipedia wissenschaftlich? Zu welchem Zweck liefert die Seite Informationen? Will sie belehren, aufklären, überzeugen oder manipulieren? Tauchen sinnlose Werbeanzeigen oder Links zu völlig fremden Themen auf? Wie soll, wie kann ein Youtube-Video als Quelle zitiert werden?

Wer noch wenig Erfahrung mit wissenschaftlichem Arbeiten sowie den zugehörigen Internetrecherchen hat, kann schnell überfordert sein: Es müssen Entscheidungen getroffen werden, ob eine Seite zitiert werden soll oder nicht und ob man ihren Inhalt als gesichert bewertet.

An dieser Stelle sollen keine Pauschalurteile gefällt werden: Auch ein Video mit Schminktipps kann selbstverständlich für eine wissenschaftliche Arbeit genutzt werden – vorausgesetzt, es bildet einen Teil des Untersuchungsgegenstandes. Ebenso kann ein mit hochtrabenden Formulierungen und zahllosen Fußnoten versehener Aufsatz auf der Seite eines Professors als Quelle ausscheiden, wenn er sich bei näherem Hinsehen als unlogisch oder unsinnig erweist.

Wichtig ist es, eigene Rechercheerfahrungen zu sammeln, sich mit anderen auszutauschen und auch Fehler zu begehen – nur auf dieser Basis entsteht schließlich die nötige Urteilskraft zum sinnvollen Umgang mit Quellen.

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