Den wissenschaftlichen Stil verbessern (II): Synonyme

Wer länger über ein Thema schreibt, der muss achtgeben, sich nicht zu wiederholen – weder inhaltlich noch begrifflich, denn dies ist für Leser langweilig und ermüdend.

„alltäglich“ ist nicht gleich alltäglich

Alleine für den sehr alltäglichen Begriff „alltäglich“ lassen sich, laut Thomas Schreibers Buch „Treffend Schreiben – Treffen Sprechen. Wörterbuch sinnverwandter Ausdrücke“ (München 1982) über 30 ähnliche oder synonyme Begriffe finden, die sich einsetzen lassen. Es geht beim wissenschaftlichen Schreiben natürlich nicht darum, einfache Ersetzungen vorzunehmen, sondern um eine möglichst treffgenaue Beschreibung des Untersuchungsgegenstands – Je nachdem, welchen Aspekt man in den Vordergrund stellen möchte; Möchte man die Kontinuität des „Alltäglichen“ betonen, so können Begriffe wie „althergebracht“ oder „fortwährend“ genutzt werden. Die Mittelmäßigkeit lässt sich mit diesem zugehörigen Adjektiv, oder aber „durchschnittlich“ ausdrücken, der Gebrauch von Begriffen wie „belanglos“ oder „unbedeutend“ zeigt stattdessen die mangelnde Relevanz.

Zielgerichtet formulieren

Dennoch gilt: Synonyme sollten nicht um ihrer selbst genutzt werden – gerade dann nicht, wenn es sich um eine nur scheinbare Bedeutungsgleichheit handelt. Wer einen Text über die Europäische Union schreibt, der sollte nicht der stillschweigenden Gleichsetzung dieser politischen Institution mit dem Kontinent „Europa“ Vorschub leisten. Ebenso wäre es falsch, die Begriffe Amerika und die USA zu verwechseln oder „islamische Staaten“ mit „arabischen Staaten“ gleichzusetzen.
Wissenschaft bedeutet in erster Linie die Differenzierung und damit die Schaffung differenzierter Begrifflichkeiten, die in einen logischen Zusammenhang gebracht werden müssen.
Dort, wo es an diesen Elementen fehlt, dominieren Emotionen, subjektive Wahrnehmungen, Fehlschlüsse und die Wissenschaft läuft Gefahr, in Naivität abzugleiten oder von der Politik oder von finanziellen Interessen instrumentalisiert zu werden. Textprofis wie akademische Ghostwriter können vor solchen Problemen warnen und sind geübt darin, wissenschaftliche Kriterien einzuhalten.
Die Nutzung von Synonymen kann die Lesbarkeit und Spannung eines Textes enorm erhöhen – sie sollte aber kein Einfallstour für Verzerrungen sein.

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