Die leidigen Formalien

Es führt kein Weg daran vorbei – und das hat seine Berechtigung: Wer wissenschaftlich schreiben möchte, muss sich nicht nur an die jeweilige Methodik des Fachs, sondern auch an dessen Formalienkatalog halten.

Die Frage nach dem Warum

Wer einen literarischen Text verfasst, tut gut daran, sich an die jeweilige Struktur anzupassen. Die Dramaturgie und Struktur eines Romans unterscheiden sich von der einer Kurzgeschichte. Ebenso wäre ein Gedicht verfehlt, das Dinge wie Versmaß oder Reime ignoriert. Ähnlich verhält es sich auch im Wissenschaftsbereich, wobei hier die Regeln aber weitaus strenger sind: Gefragt ist weniger die Kreativität als vielmehr die Vollständigkeit, Schlüssigkeit, Notwendigkeit und Nachvollziehbarkeit des Textes. Fußnoten oder Anmerkungen im Text erlauben es dem Leser schnell, die dargebotenen Informationen auf Herkunft und logische Konsistenz zu prüfen.

Die Formalien bilden damit eine Methodik, die jedem wissenschaftlichen Textproduzenten und Leser vertraut sein sollte. Sie erleichtern den gesamten wissenschaftlichen Prozess stark, da mögliche Fehler schnell identifiziert und dem jeweiligen Ursprungsautor zugeordnet werden können.

Wie handhaben?

Obwohl es relativ klar ist, auf welche Weise zitiert werden soll und nach welchen Vorgaben ein Buch oder Aufsatz im Literaturverzeichnis zu erscheinen hat, unterscheiden sich nicht nur die Zitiergewohnheiten von Studenten, sondern auch die Erwartungen von Dozenten. Die Faustregel, wonach allgemein bekanntes Wissen nicht mit Zitaten belegt werden muss, bietet hier leider wenig Klarheit, denn je tiefer ein Autor in der Materie steckt, umso mehr neigt er dazu, das ihm bekannte Fachwissen für „allgemein bekannt“ zu halten. Und so mancher Student musste feststellen, dass Dozenten hier und dort eine Fußnote vermissen. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, führt also lieber einen Beleg zu viel als einen zu wenig an.
Allgemein gilt: Für Nachwuchswissenschaftler führt kein Weg am Erlernen der Formalien vorbei. Wer meint, das Thema im Grundstudium vernachlässigen zu können, wird im Hauptstudium – oder spätestens bei der Abschlussarbeit Schwierigkeiten bekommen.

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