Fachkompetenzen im Ghostwriting

Wer sich durch die Webseiten der Ghostwriting-Agenturen und der freischaffenden Ghostwriter arbeitet, bekommt den Eindruck, es reihenweise mit Genies zu tun zu haben. Schaut man genauer hin und denkt nach, ergibt sich ein anderes Bild.

Weil der Begriff des Ghostwriters nicht geschützt ist, sind keine besonderen Fähigkeiten nötig, sich diesen Begriff zunutze zu machen. Die Folge: Die Branche scheint auszuufern und gibt mitunter ein schlechtes Bild ab, das gerade seriösen und kompetenten Ghostwritern und ihren Agenturen schadet: Dort, wo zu viele Studenten auf den Markt drängen, die „irgendwas mit Medien“ oder „irgendwas mit Literatur / Kunst / Sprache“ machen wollen – und dies als Ersatz für Fachkompetenz sehen, kommt es für Kunden zu bösen Überraschungen. Denn Ausdrucksvermögen alleine kann kaum den fehlenden fachlichen Hintergrund ersetzen. Die Folge: Die selbsternannten Ghostwriter behelfen sich bei inhaltlich schwierigen Stellen mit schwammigen Formulierungen. Anstatt präzise Informationen zu liefern, wird der Text zu einer Aneinanderreihung von Phrasen und der wissenschaftliche Gehalt sinkt unweigerlich ab.

Ein Ghostwriter wird nur dann zur Zufriedenheit seines Kunden arbeiten, wenn sein Hintergrundwissen mindestens genauso umfangreich – im Idealfall weitaus umfangreicher als das des Kunden ist. Nur so kann garantiert werden, dass der Text den fachlichen Ansprüchen des Kunden genügt. Hinzu kommt die unerlässliche Allgemeinbildung, um den Text und die darin gezogenen Schlussfolgerungen auch in einen größeren Kontext einordnen zu können.

Wer ein anspruchsvolles Sachbuch für einen größeren Leserkreis wünscht, wird sich kaum mit den Texten frischgebackener Studenten zufriedengeben – selbst wenn diese ein generell hohes wissenschaftliches Niveau aufweisen, dürfte sich zumindest geübten Lesern der Mangel an Lebens- und Schreiberfahrung offenbaren.

Agenturen, die über einen nur geringen Mitarbeiterstamm verfügen, weisen oft keine passgenauen Autoren zum gewünschten Fach oder zur gewünschten Fächerkombination auf und müssen daher auf fachfremde Autoren zurückgreifen. Es lohnt sich also immer, etwas genauer hinzuschauen.

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