Ghostwriter als politisches Risiko?

Politiker, die sich an Ghostwriter wenden, gehen – so scheint es – ein hohes Risiko ein: Was, wenn es wie im Fall Helmut Kohl zu einem Rechtsstreit kommt? Was, wenn der Ghostwriter plötzlich dem widerspricht, was er geschrieben hat, um den Kunden besser aussehen zu lassen, wie im Fall Donald Trump?

Obwohl die wenigsten Politiker jemals eine solche Bekanntheit erreichen dürften wie die beiden oben genannten, ist die Frage durchaus berechtigt: Was erwartet mich, wenn ich mich mit einem Ghostwriter einlasse? Bin ich lebenslang erpressbar? Muss ich damit rechnen, dass der Ghostwriter Interna ausplaudert oder es gar darauf anlegt, meine Karriere an irgendeinem kritischen Punkt zu sabotieren?
Wohl kaum. Obwohl sich – wie in allen Lebensbereichen – keine absolute Sicherheit garantieren lässt, können Politiker ihr Risiko durchaus minimieren. Folgende Schritte helfen dabei:

  • Die Auswahl eines vertrauenswürdigen Ghostwriters, der dieselben Überzeugungen teilt und vermitteln möchte.
  • Die Absicherung durch einen Vertrag, der beiden Seiten entgegenkommt – stimmt der Kunde einer Nennung des Ghostwriters als Co-Autor zu, so zeigt er von Anfang an, dass das Buch eine
  • Zusammenarbeit zweier Personen ist. Dies schützt vor späteren „Enthüllungen“.
  • Weiterer Bestandteil des Vertrags sollte eine Klausel sein, in der dem Ghostwriter untersagt wird, über seine genaue Tätigkeit Auskunft zu geben und jegliches interne Wissen, das er im Laufe seiner Tätigkeit erwirbt, preiszugeben. Dies kann auch mit einer Vertragsstrafe im Falle des Nichtbefolgens belegt werden.

Wer diese Regeln beachtet, dürfte ausreichend abgesichert sein. Kommen allerdings die Faktoren Geld und Macht ins Spiel, könnte auch diese Sicherheit nicht mehr genügen. Die einleitend genannten Beispiele verdeutlichen dies: Im US-Präsidentschaftswahlkampf wird mit allen Mitteln gefochten, und der Streit darüber, was als das Vermächtnis Helmuth Kohls gelten darf, birgt politische wie finanzielle Anreize, Eifersüchteleien und Kränkungen, die offenbar schwerer wiegen als das einstige, enge Vertrauensverhältnis zum Ghostwriter.

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