Ghostwriting: Text und Metatext

Ghostwriter, so könnte man meinen, seien erfolgreich, wenn sie gute Texte produzieren. Bei näherem Hinsehen jedoch lässt sich feststellen, dass dies nur ein Teil der Wahrheit ist.

Wie jedes Produkt und jede Dienstleistung ist Ghostwriting vom Marketing abhängig. Denn der beste Schreiber wird niemals einen Auftrag erhalten, wenn Kunden ihn nicht finden, weil er sich zu wenige Gedanken um Suchbegriffe oder Selbstdarstellung macht und er demzufolge auf den hinteren Plätzen der Suchmaschinenergebnisse landet.

Um Textaufträge zu bekommen, müssen Ghostwriter über ihre Texte sprechen. Es entsteht eine eigene Sprache, die sich mit der des Marketings vermischt: Schnell ist der Kunde von Begriffen wie Storytelling, Spannungsbogen und Kreativität beeindruckt und stellt möglicherweise viel zu spät fest, dass diese Begriffe fälschlicherweise suggerieren, der Autor wisse, wovon er redet.
Bei einigen Ghostwritern nimmt der Metatext – also der Text zum eigentlichen Text – zu viel Raum ein und verdrängt damit die schlichten, nüchternen Fakten:

  • Ein Text wird nicht dadurch besser, dass er von anderen Texten (desselben Autors!) gelobt wird. Er muss aus sich selbst heraus überzeugen, um zu wirken.
  • Gerade bei akademischen Arbeiten wird den Formalien sehr viel Beachtung geschenkt – vor allem, weil sie sich schnell und ohne größeren Aufwand kontrollieren lassen.
  • Optik, Schriftart, die Leidenschaft des Autors für das Schreiben oder die sprachliche Kreativität sind nicht die zentralen Merkmale eines Sachtextes. In vielen Fällen erweisen diese Dinge sich sogar als Blendwerk, das nicht als Ersatz für mangelndes Hintergrundwissen dienen sollte.

Kunden sollten sich daher weder vom Marketing eines Ghostwriters oder einer Agentur beeindrucken lassen, sondern ihren Blick auf das richten, was für sie zählt: Ein guter, schlüssiger, und kompetent verfasster Text. Eine Textprobe oder ein ausgiebiges Gespräch können dabei helfen, den richtigen Geist zu finden.

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