Helmut Kohl und sein Ghostwriter

Erneut gerät der Begriff „Ghostwriter“ ins Visier der medialen Darstellung. Heribert Schwan, Autor des Buches „Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“ veröffentlichte einen Teil des umfangreichen Materials, das auf insgesamt ca. 600 Stunden Befragungen und Gespräche aus den Jahren 2001 und 2002 zurückgeht. Die Buchpublikation, die von einem Rechtsstreit überschattet wurde, bedroht das Vermächtnis des Altkanzlers und scheint ein schlechtes Licht auf eine verschwiegene Branche zu werfen.

Die Affäre um die Kohl-Protokolle veranschaulicht sehr deutlich, welche Fallstricke im Verhältnis zwischen Persönlichkeit, Öffentlichkeit, Vertraulichkeit und Dokumentationsbedarf existieren. Vor Verallgemeinerungen sei allerdings gewarnt: Genauso wenig wie Helmut Kohl ein normaler Auftraggeber ist, ist Heribert Schwan ein typischer Ghostwriter; Sein Zugang zum engsten Kreis des Kanzlers dürfte zunächst auf dessen Vertrauen beruht haben. Nur so ist es zu erklären, dass Kohl seiner teils rustikalen Gedankenwelt dermaßen frei Ausdruck verlieh. Der Vertrauensbruch allerdings, der in der Veröffentlichung gesehen wurde, und der Streit um das „Erbe“ des Kanzlers, der immer weniger in der Lage scheint, für sich selbst zu sprechen, zeigen eine andere Seite des sensiblen Verhältnisses zwischen dem, der diktiert, und dem, der dokumentiert.

Heribert Schwan war Helmut Kohls Ghostwriter und fertigte in dessen Auftrag mehrere Bücher, darunter die Memoiren des Politikers, an. Mit der Herausgabe der Kohl-Protokolle jedoch handelte er keineswegs mehr im Auftrag Kohls, dem kaum an der ungeschönten Wiedergabe seiner persönlichen Gedanken und Einschätzungen seiner politischen Freunde und Gegner gelegen sein kann. Eine undurchsichtige Rolle spielt Kohls Ehefrau Maike Richter, die von Schwan inzwischen als Gegnerin betrachtet wird.

Was auch immer der juristische und der historische Prozess an Fakten zutage fördern, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die Affäre um die Kohl-Protokolle zumindest ein (wenn auch verzerrendes) Schlaglicht auf die umfangreichen Tätigkeiten von Ghostwritern werfen; Hierzu gehört vor allem die Fähigkeit, gezielte Fragen zu stellen, die dem Auftraggeber helfen, Klarheit über sein Denken und seine Meinungen zu gewinnen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen und das Material auf ansprechende Art aufzubereiten. Dies ist im Fall der Kohl-Protokolle gelungen – gleichgültig, wie man die beteiligten Personen oder Absichten auch einschätzen mag. Ein typischer Fall von Ghostwriting ist es keineswegs.

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