Ideologie erkennen (I): Die Sprache der Politik

Ideologie erkennen (I): Die Sprache der Politik

Die Sprache formt das Denken und der Ausdruck von Gedanken findet innerhalb der Sprache statt. Gerade im politischen Bereich bemühen sich viele Akteure, die Sprache für ihre Zwecke umzugestalten.

War es in George Orwells Roman „1984“ noch ein totalitärer Staat, der mittels seines „Wahrheitsministeriums“ versuchte, die Sprache genau auf seine Zwecke zuzuschneiden, so sind es heute viele Akteure mit unterschiedlichen Zielen.

Wohlfühl- und Kampfbegriffe

Es gibt freundliche Begriffsschöpfungen, die die eigene Politik in ein gutes Licht rücken, aber auch Kampfbegriffe, die den politischen Gegner angreifen und in die Nähe der Kriminalität rücken sollen.

Es gibt zudem die Tendenz, bestimmte Wortkombinationen so zu nutzen und so häufig zu wiederholen, dass dem Zuhörer schließlich suggeriert wird, beides sei unmittelbar miteinander verwandt; Betrachtet man zunächst ein harmlos klingendes Wort wie „Willkommenskultur“, so zeigt sich, dass durch dessen Verwendung „Willkommen“ und „Kultur“ – beides positiv besetzte Begriffe – für die Begründung der Flüchtlingspolitik genutzt wird; „Willkommenskultur“ ist demnach ein hohes Gut, dass es zu schützen gelte.

Wer dagegen für ein schärferes Asylrecht eintritt – die Flüchtlinge also nicht willkommen heißt – wendet sich dieser Logik nach auch gegen die „Willkommenskultur“ – die schließlich einen Teilbereich der Kultur darstellt; in letzter Konsequenz wird suggeriert, es handelte sich also um einen Akt gegen die Kultur selbst.

Aufklärung hilft

Derartige, politische Sprach-Ideologie muss gezielt benannt werden, um ihre Absichten einschätzen zu können. Gerade innerhalb des Studiums ist es wichtig, die Mechanismen und Ziele politischer Sprache zu erkennen, anstatt sich einfach dem allgemeinen Sprachgebrauch anzuschließen, ohne diesen zu reflektieren. Wer sich mit politischer Sprache beschäftigt, ist sicherlich nicht grundlegend vor Manipulationen gefeit – er hat aber zumindest die Mittel in der Hand, grobe Fehler zu vermeiden.

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