Interdisziplinarität (II)

Mit der Forderung nach „Interdisziplinarität“ soll die Grenze zwischen den Fächern überschritten werden – was angesichts der bisherigen Eifersüchteleien und des Kompetenzgerangels alles andere als einfach ist.

Wozu Interdisziplinarität?

Interdisziplinarität, also der Dialog zwischen unterschiedlichen Wissenschaften, soll deren Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen zusammenführen und gemeinsam nutzbar machen.
Grundlegende Gedanken hierbei sind, dass einerseits die strikte Spezialisierung und der Aufbau je eigener Fachsprachen, Kommunikationsstile und Perspektiven auf bestimmte Inhalte mitunter kontraproduktiv wirken und dass andererseits die Probleme und Phänomene einer überkomplexen Realität nicht dazu neigen, sich dem akademischen Fächerzuschnitt anzupassen.

Es gehört heute in vielen Studien zum guten Ton, Interdisziplinarität zu betonen. Ob dabei jedoch tatsächlich intensiv auf die Grundlagen und Erkenntnisse der benachbarten Fächer eingegangen wird, ist fraglich; Häufig ist die eingeforderte Interdisziplinarität nichts mehr als ein Lippenbekenntnis, das durch die bloße Nutzung einiger Fachbegriffe Plausibilität erhalten soll.

Die Problematik

Ein Problem ist sicherlich, dass die langjährige Beschäftigung mit nur einer Wissenschaftsform nach und nach suggeriert, diese Form sei maßgeblich, ihre Methoden intensiver und ihre Erkenntnisse tiefergehend als die der anderen. Zudem kann heute kaum jemand von sich behaupten, in mehr als einem Bereich tatsächlich bewandert zu sein.

Tatsächliche Interdisziplinarität, also eine solche, die den fremden Fachbereich nicht als bloße Hilfswissenschaft oder knappe Ergänzung der eigenen Ergebnisse ansieht, kommt in der Regel nicht durch eine einmalige Beschäftigung mit der Materie zustande, sondern nur durch längeres, intensives Zusammenarbeiten, was angesichts der universitären Strukturen, der zunehmenden Kommerzialisierung, des hohen Konkurrenzdrucks und des Ringens um Drittmittel alles andere als selbstverständlich ist.

Leider zementieren die Universitäten die fachlichen Barrieren auch auf lange Sicht hinaus, indem Studenten in ein enges Geflecht aus einzuhaltenden Formalien gezwungen werden, das kaum mehr einen Blick über den Tellerrand erlaubt.

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