Kleine Quellenkunde (I): Die parteinahen Stiftungen

Bei Internetrecherchen in den geisteswissenschaftlichen Fächern dürften viele Studenten auf Materialien stoßen, die von parteinahen Stiftungen erstellt oder in Auftrag gegeben wurden. Vorsicht ist dabei immer geboten.

Was sind parteinahe Stiftungen?

In der Bundesrepublik haben diese Stiftungen Aufgaben wie die politische Bildung, die Begabtenförderung und die Entwicklungszusammenarbeit, so dass sie teilweise auch eine Rolle im Zusammenhang mit der offiziellen Außenpolitik spielen.
Die Stiftungen reichen von der „Rosa-Luxemburg“ Stiftung (Die Linke) über die „Heinrich-Böll-Stiftung“ (Grüne) und die Konservative „Konrad-Adenauer-Stiftung“ (CDU) bis hin zur AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung“. Dementsprechend finden sich völlig unterschiedliche politische Grundhaltungen, die auch in den jeweiligen wissenschaftlichen Publikationen zum Ausdruck kommen.

Wie nutzt man derartige Quellen?

Der Generalverdacht, es handele sich überwiegend um ideologische, weniger um tatsächlich wissenschaftliche Publikationen, lässt sich nicht ohne weiteres von der Hand weisen. Dennoch haben diese Quellen, einen richtigen Umgang damit vorausgesetzt, aus mehreren Gründen einen Wert für die wissenschaftliche Arbeit:

  • Bei Themen, die sich ansonsten der wissenschaftlichen Betrachtung entziehen, sind die Materialien der Stiftungen oft die einzigen, umfangreicheren Quellen.
  • Die Materialien können selbst Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung werden. So können ihre unterschiedlichen Interpretationen der Fakten eine Diskussion anregen.
  • Es kann davon ausgegangen werden, dass zumindest die Mehrzahl der in den Studien enthaltenen Fakten korrekt ist.
  • Konzentriert man sich auf die Nutzung dieser Fakten (möglichst unter Hinzunahme der Originalquellen), so lassen sich diese für die eigene Arbeit nutzen. Jedoch sollte immer darauf geachtet werden, nicht unbeabsichtigt die normativen Grundannahmen oder die politisch konstruierten Ergebnisse der Stiftungsmaterialien zu übernehmen. Diese werden oft nicht explizit genannt, sondern kommen nur in Wortwahl und Interpretation zum Ausdruck. Akademische Ghostwriter sind darin geübt, nicht in diese Fallen zu tappen und die Texte als das zu behandeln, was sie sind: Im besten Fall eine normativ leicht eingefärbte Sicht der Dinge, im schlechtesten Fall eine nur oberflächlich recherchierte Meinungsmache oder gar komplette Falschdarstellung.

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