Professor Eitel

Man kennt diesen Typus und jede Hochschule weist ihn auf: Der Dozent, dem es nicht um die Vermittlung von Wissen oder die Anwendung sinnvoller Forschungsmethoden geht, sondern um die ständige Betonung seiner eigenen Wichtigkeit.

Nochmal!

Schreibt man eine Abschlussarbeit bei Professor Eitel, so kann man sich auf einen zähen Prozess gefasst machen: Wie ein Feldwebel, der seine Soldaten dreimal zum Putzen der bereits perfekt geputzten Stiefel zurückschickt, so nutzt auch der Professor die Notsituation seiner Studenten aus: Mit wenigen Tintenstrichen ist ein über Wochen erarbeitetes Konzept beiseite gefegt und durch einmalige Geistesblitze des Dozenten ersetzt. Arbeitet man diese dann sorgsam in die Gliederung ein und präsentiert sie, so runzelt der Dozent die Stirn, äußert ein knappes „So kann man das nicht machen!“ und gibt nur unklare Hinweise. Kohärenz ist seine Stärke nicht. Sobald aber die magische Zahl von drei Gliederungsvorlagen erreicht ist, verwandelt sich die Missachtung des Professors in Anerkennung, und unabhängig von der Qualität des vorgelegten Papiers kann die Arbeit begonnen werden.

Und sonst?

Man findet Professor Eitel nur selten an der Universität, da er seine Unterrichtstage auf Dienstag, Mittwoch und Donnerstag gelegt hat, um sich ein ausgiebig verlängertes Wochenende zu gönnen.
Ohnehin erscheint ihm die lästige Beschäftigung mit den Studenten nur Zeitverschwendung zu sein, da er lieber alleine im Elfenbeinturm sitzt und vor sich hin philosophiert.
Als Gutachter für die Arbeit ist dieser Professorentypus äußerst einfach einzufangen: Er hat einmal – in den späten 70er Jahren gelernt, was gut und richtig ist und hält sich seitdem daran. Autoren oder Theorien, die danach entstanden, und die er nicht kennt, existieren nicht. Kritische Haltungen, eigenes Nachdenken der Studenten gar, lenkt nur von der reinen, orthodoxen Lehre ab, die er im Monolog verkündet, in seinen Vorlesungen und Seminaren predigt und in den Haus- und Abschlussarbeiten seiner Studenten nochmals nachlesen möchte. Abweichungen davon werden mit Punktabzug bestraft.
Professor Eitels Studenten haben schnell verstanden. Einige von Ihnen denken nicht daran, ihre Arbeiten selbst zu schreiben. Stattdessen rufen sie den Ghostwriter, leiten ihm die Schlagworte weiter, die der Professor ihnen verkündet hat, und lehnen sich zurück. Denn Professor Eitel ist leicht zu täuschen.

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