Studentische Schreib-Typen (I)

Viele Erstsemester, aber auch etliche länger Studierende leiden oft an permanenter Schreib-Unwilligkeit, die mitunter in komplette Schreib-Unfähigkeit mündet. Vielleicht liegt es dies nicht am generellen Problem, einen wissenschaftlichen Text zu Papier zu bringen, sondern daran, den optimalen, individuellen Weg des Schreibens noch nicht erkannt zu haben. Ein kurzer Überblick kann helfen.

Der Wortkarge

Ohne umfangreiche Materialbasis geht bei ihm nichts. Für jeden Satz, den er schreibt, liest er drei Aufsätze. Problem: Die Recherche wird für ihn zu einem Mittel, das Schreiben zu perfektionieren. Er markiert viel zu viel, verliert sich in der Vielzahl von Büchern und Aufsätzen, der er kaum noch Herr wird und hat Probleme, sich überhaupt einige Worte abzuringen. Tut er dies dennoch, ist er direkt danach unzufrieden, weil sein Text ihm nicht gut genug erscheint und er wieder und wieder überarbeitet werden muss.

Der Prokrastinator

Er schreibt später. Wenn alle Literatur gesammelt wurde. Wenn die Umstände ideal sind. Wenn draußen gerade kein gutes Wetter ist. Das Problem: Er will nicht schreiben. Und zu diesem Zweck ist jedes Mittel der Selbsttäuschung recht: Erst noch den Roman fertiglesen, erst noch Joggen, ja sogar erst noch den Abwasch erledigen und den Müll runterbringen. Der Prokrastinator ist ein Meister im Verdrängen, Verzögern und Vertagen. Er arbeitet nur unter extremem Zeitdruck – vor allem, weil er meint, nur unter extremem Zeitdruck arbeiten zu können. Das Resultat: Eine unter hohem Stress verfasste Arbeit, die ihre Fehler und Versäumnisse bereits auf den ersten Blick offenbart.

Der Improvisationskünstler

Kaum hat er einen Gedanken gelesen, kaum ist ihm eine Idee gekommen, schon beginnt er nicht nur Stichpunkte, sondern ganze Seiten zu schreiben. Literatur ist nur ein Aufhänger für die Entwicklung eigener Gedanken, die – sinnvoll oder unsinnig, wissenschaftlich oder unwissenschaftlich, richtig oder falsch, sofort Aufnahme in die Arbeit finden. Problem: Der Sofortschreiber produziert dabei Unmengen an Text, von dem ein Großteil überflüssig ist – wie sich jedoch erst in der Korrekturphase zeigt.

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