Vom Wert der Bibliothek (I)

Häufig wird die Bedeutung von Bibliotheken unterschätzt, scheinen sie doch im Internetzeitalter nicht mehr aktuell zu sein – eine Sichtweise, die sich jedoch schnell als irreführend erweist.

Das Bild der Bibliothek fehlt in kaum einer Wissenschaftsdokumentation: Nachdem der umtriebige Archäologe sein Notebook zugeklappt, nachdem der Biologe einen Blick ins Mikroskop geworfen hat, betreten die Protagonisten die Bibliothek, um ein verstaubtes, mittelalterliches Werk aus dem Regal zu ziehen und vorsichtig zu öffnen. Ein derartiges Bild eignet sich zwar gut, um eine spannende, geheimnisvolle Wirkung zu erzeugen, es hat jedoch nur noch wenig mit der praktischen Anwendung von heutigen Bibliotheken zu tun.

Wandel und Kontinuität

Die Bibliothek war immer ein Ort, an dem das Wissen zu einem (in der Antike und im Mittelalter auch oft: zu jedem bekannten) Wissensbereich aufbewahrt wurde. Dies ist auch weiterhin der Fall. Betrachtet man das Internet mit seiner gigantischen Informationsbasis allerdings als Konkurrenz zur traditionellen Bibliothek, so ist dies eine verzerrte Sichtweise: Denn längst haben sich die beiden Systeme miteinander verzahnt, bedingen und ergänzen sich gegenseitig. Ein Beispiel: Möchte man sich schnell einen groben Überblick über ein Thema verschaffen, dürfte Wikipedia nicht die schlechteste Wahl sein (wobei jedoch immer auch mit unterschwelliger Ideologie, mit Auslassungen oder teils auch bewussten Verzerrungen zu rechnen ist).

Vom Allgemeinen zum Speziellen

Widmet sich man einem Thema intensiver, so muss wissenschaftliche Literatur herangezogen werden, wobei in der ersten Phase erneut das Internet die Hauptquelle ist: Themenspezifische Seiten enthalten oft Literaturlisten oder Buchbesprechungen. Würde man aber versuchen, alleine aufgrund dieser Informationen eine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen, so wäre ein Scheitern die logische Folge: Denn es kann keine direkte Arbeit am Text stattfinden: Seitenzahlen und Zitate lassen sich nicht nachprüfen, es fehlen Quellen- und Literaturangaben.

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