Wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichen (II): Web-Agenturen

In Zeiten, in denen das Verlagswesen starken Umbrüchen ausgesetzt ist, drängen Anbieter neuer Publikationsformen auf den Markt, so etwa Agenturen, die sich auf das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten im Internet spezialisiert haben.

Das Geschäftsmodell: Die Plattformen stellen Haus-, Master-, Diplomarbeiten sowie andere akademische Texte zahlenden Kunden zur Verfügung. Die Suche erfolgt nach Schlagworten innerhalb des Katalogs, die Autoren erhalten ein Honorar, das (zumindest prozentual gesehen) das von Verlagsautoren weit übertrifft: Während bei Verlagen in etwa 4% gezahlt werden, ist bei Plattformen wie Grin derzeit ein Anteil von bis zu 45% möglich, da die Speicherung und Versand von Ebooks kaum Kosten verursachen.

Studenten, die mit dem Gedanken spielen, ihre Arbeiten entweder als Buch oder bei einer Webagentur zu veröffentlichen (wobei auch Kombinationen möglich sind), sollten bedenken, dass ein Buch sich meist höherer Aufmerksamkeit erfreut als ein Werk, das lediglich elektronisch zur Verfügung gestellt wird.

Je nach Themenfeld besteht aber gerade bei ausgefalleneren wissenschaftlichen Publikationen, die nur eine geringe Zahl von möglichen Lesern haben, die Gefahr, dass das Werk gänzlich ignoriert wird. Wer auf der Suche nach ernsthaften wissenschaftlichen Informationen ist, könnte zudem von der Masse an qualitativ schlechten Arbeiten abgeschreckt werden, die sich auf derartigen Portalen befinden. Dies ist nicht verwunderlich, dürften doch Lektorat, akademische Bewertung und Peer-Review aufgrund des Kostendrucks deutlich zu kurz kommen.

Kommerzielle Webagenturen, die nicht mit Open-Science-Plattformen verwechselt werden dürfen, sind ein eher ungünstiges Umfeld für die Entwicklung und Verbreitung wissenschaftlicher Ideen. Weder leisten sie das, was renommierte Wissenschaftsverlage können, noch fördern sie den freien Fluss von Ideen.

Das Geschäft mit der Wissenschaft wird derweil von den großen Plattformen gemacht, während Autoren nur unzureichend entlohnt werden.

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