Wissenschaftliches Schreiben: Funktion und Stil

So sehr die wissenschaftliche Arbeitsweise auch formalisiert ist – von der Zitierweise über die Literaturangaben bis hin zu Methodik, Schriftgröße und Zeilenabstand – so sehr unterscheiden sich wissenschaftliche Schreibstile voneinander.

Während die wissenschaftliche Mathematik extrem stark von Formalien abhängig ist und ihr Stil größtenteils davon geprägt ist, sind die „soft sciences“ zwar weniger streng in ihren Methoden, sie müssen aber ebenso die Kriterien von Reliabilität, Validität und Objektivität erfüllen.

Prinzipiell gilt beim wissenschaftlichen Schreiben, dass der Stil der Aufgabe der Arbeit angepasst und ihr im Zweifelsfall auch untergeordnet werden sollte. Für die Wahrnehmung eines Textes durch den Leser spielt der Stil eine herausragende Rolle: Selbst wenn die Fakten in einem wissenschaftlichen Text umfassend recherchiert, ausgewertet und in den theoretischen Gesamtkontext eingeordnet wurden, können Probleme auftreten. So kann eine zu starre, zu fremdwortlastige, zu künstliche oder auch eine zu umgangssprachliche Ausdrucksweise den guten Eindruck zunichte machen und sogar Zweifel an der Kompetenz des Autors aufkommen lassen.

Mitunter bietet es sich an, den Text ein weiteres Mal unter dem Aspekt der Formulierungen und des Stils durchzugehen: Dabei geht es nicht nur um die Zerlegung von monströsen Satzkonstruktionen und die Vermeidung überflüssiger Fremdworte, sondern auch um die Ausdrucksvielfalt und den Aspekt des Wortklangs: Niemand liest gerne von „zentral zertifizierten Kompetenznetzwerken“. Begriffe, die sich häufig wiederholen, sind in wissenschaftlichen Arbeiten kaum zu vermeiden. Durch die Nutzung von Synonymen oder (einfach gehaltenen Umschreibungen) kann jedoch eine Auflockerung des Textes erfolgen. Der Leser wird dadurch animiert, das Textstudium, das gerade bei spröden Themen schwerfällt, fortzusetzen. Auch die (spärliche) Verwendung von Anekdoten oder humorvollen Zusammenhängen kann dazu beitragen.

Die Stilkorrektur sollte von einer Person mit genügend wissenschaftlicher Erfahrung, spezifischem Themenwissen und dem nötigen Ausdrucksvermögen durchgeführt werden. Häufig übernehmen akademische Ghostwriter diese Aufgabe, da sie Kenntnisse in diesen Bereichen aufweisen.

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