Der Ghostwritermarkt Teil 2: Die Angebotsseite

Der Ghostwritermarkt, insbesondere der akademische Ghostwritermarkt ist geprägt durch Verschwiegenheit und Intransparenz. Versucht ein potenzieller Kunde sich einen Marktüberblick zu verschaffen, ist dieses Vorhaben meistens zum Scheitern verurteilt.
Der Ghostwriter Markt

Weder über die diversen Internetauftritte der Anbieter noch über Foren oder Angebote lässt sich ein klares Bild über die Anbieterseite gewinnen. Die Nachfragerseite steht im Prinzip einer Blackbox gegenüber und fischt häufig im Trüben.

Der Autor dieses Beitrags ist seit einem Viertel Jahrhundert als akademischer Ghostwriter tätig und er verfügt über weitgehende Markterfahrungen. Im Folgenden wird versucht einen Beitrag zu mehr Transparenz und Struktur auf der Angebotsseite zu leisten.

Die Anfänge des akademischen Ghostwriting im Internet

Der akademische Ghostwritermarkt war in der 80 und 90er Jahren noch sehr klein und überschaubar. Kunden wurden in der Regel über Kleinanzeigen in überregionalen Tageszeitungen oder vereinzelt Mund zu Mundpropaganda akquiriert. Der Begriff des Ghostwriters war eher noch unüblich. Verwendet wurden vielmehr Bezeichnungen wie Textbüro, Schreibbüro, Schreibservice, etc.

Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets seit Ende der 90er Jahre entwickelte sich auch der Ghostwritermarkt weiter. Heute ist das Internet der vorherrschende Marktplatz für das Schaulaufen der akademische Ghostwriter.

Verschiedene Angebotsformen

Inzwischen haben sich auch verschiedene Angebotsplattformen entwickelt. Im Wesentlichen lassen sich die folgenden drei Formen unterscheiden:

Einzelpersonen

Einzelpersonen, die als akademische Ghostwriter auftreten, dürften zahlenmäßig den größten Anteil stellen. Ihr Umsatzanteil am Gesamtmarkt ist dagegen eher gering. Viele sind Kleinunternehmer im Sinne des UStG, ihre Umsätze betragen oft nur wenige Zehntausend Euro pro Jahr, wenn überhaupt. Ich persönlich kenne Fälle, in denen reicht der eigene Umsatz des Ghostwriters noch nicht einmal dazu die monatlichen Sozialversicherungsbeiträge zu bezahlen. Nicht selten ist die schlechte berufliche Perspektive der eigentliche Motivator für diese Akademiker, sich als Ghostwriter zu betätigen. Verbessert sich deren klassisches berufliches Umfeld wird die Ghostwritertätigkeit zugunsten einer regulären Beschäftigung aufgegeben.

Kennzeichnend für diese Gruppe sind die niedrigen Kapazitäten und zwangsläufig ein eingeschränktes Wissenschaftsspektrum. Natürlich findet man unter diesen Ghostwritern auch immer den Germanisten, der von sich behauptet, er könne Texte in Jura, Medizin und BWL verfassen. Sofern es sich dabei nicht um das letzte deutsche Universalgenie handelt, stehe ich solchen Selbst(über)einschätzungen grundsätzlich skeptisch gegenüber. Die Denk- und auch die Schreibweise in den unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen ist nach meiner Erfahrung derart unterschiedlich, dass so etwas meistens nicht funktioniert.

Diese persönliche Einschätzung des Autors über den Ghostwritermarkt deckt sich auch mit den Ergebnissen einer Züricher Untersuchung zum Thema Ghostwriter (Daku, Kambli, Lombardi, Steiner, Tröndle, Ukaj: Ghostwriter. Eine qualitative empirische Untersuchung über die demographischen Daten der Ghostwriter sowie deren moralischen Beweggründe, Züricher Fachhochschulen, HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich, Gruppenarbeit, eingereicht bei Prof. Dr. Rüdiger Voss, Zürich 2011). In dieser Studie heißt es auf Seite 18, das Ghostwriting tendenziell eher eine Nebentätigkeit ist. Auf Seite 19 wird in Abbildung 6 aufgezeigt, dass 73% der Ghostwriter nicht mehr als 20 wissenschaftliche Arbeiten pro Jahr verfassen.

Ghostwriting Agenturen

Im Fall der Ghostwriting Agenturen lassen sich zwei Geschäftsmodelle identifizieren, denen unterschiedliche Vertragsgestaltungen mit den Kunden und Mitarbeitern zugrunde liegen:

  • Agenturen als reine Vermittler
  • Agenturen als Generalunternehmer

Treten Agenturen als reine Vermittler auf, übernimmt der Vermittler zunächst einmal die Akquisition der Kunden und Mitarbeitern, meistens über seine Internetplattform. Hat er einen Kunden akquiriert, stellt er den direkten Kontakt zwischen beiden Parteien her. Die weitere Auftragsabwicklung erfolgt dann ohne den Vermittler. Die Auftragsanzahlung dient dem Vermittler gleichzeitig als Provisionszahlung. Die weitere Abrechnung erfolgt dann zwischen dem eigentlichen Ghostwriter und dem Kunden. Alternativ kann die komplette Abrechnung aber auch weiterhin über die Vermittlungsagentur durchgeführt werden.

Eine beliebte Agenturform stellt die Generalagentur dar. Diese Agenturen treten gegenüber dem Kunden als Auftragnehmer und gegenüber den Mitarbeitern als Auftraggeber auf. Jeder Auftrag beinhaltet für die Agentur also zwei korrespondierende Verträge mit jeweils unterschiedlichen Vertragspartnern. Die gesamte Auftragsabwicklung erfolgt über die Ghostwritingagentur. Der eigentliche Autor und der Kunde kennen sich bei dieser Vertragskonstellation nicht, für beide wird der Auftrag anonym abgewickelt. Die Agentur tritt in sämtliche vertraglichen Verpflichtungen ein, die sich aus den Vertragsverhältnissen ergeben. Gegenüber den Kunden ist die Agentur verpflichtet die vereinbarte Leistung inhaltlich korrekt und fristgerecht zu erbringen. Gegenüber den Mitarbeitern ist die Ghostwriter Agentur zur Zahlung des Auftragshonorars verpflichtet, unabhängig davon wie es um die Zahlungsmoral seines Kunden bestellt ist. Im deutschsprachigen Raum gibt es nach meiner Kenntnis nur sehr wenige große Agenturen, die nach eigenen Angaben auf ein Potenzial von mehreren Hundert Akademikern zurückgreifen können.

Internetbroker

Relativ neu und sind die sog. Internetbroker, die lediglich eine Internetplattform zur Verfügung stellen auf der Nachfrager ihre Anfragen einstellen und gelistete Ghostwriter Angebote darauf abgeben können. Bewertungen der Ghostwriter werden dabei als Entscheidungshilfe gleich mit angeboten. Sozusagen MyHammer auf akademischem Niveau. Es bleibt abzuwarten wie sich diese Angebotsform weiterentwickeln wird.

Niedrige Markteintrittsbarrieren

Ein besonderes Kennzeichen auf der Anbieterseite sind bei allen Ausprägungsformen die niedrigen Markteintrittsbarrieren.

Es genügt ein Internetauftritt und etwas AdWords-Werbung und schon ist ein neuer Stern am Ghostwriterhimmel geboren. Meistens entpuppt sich das Ganze nach ein paar Wochen, Monaten oder wenigen Jahren dann aber eher als Sternschnuppe. Eine erfolgreiche Ghostwritingagentur zu betreiben ist keine Glücksache, sondern jahrelange harte Arbeit, es bedeutet einen 10-12 Stundentag und die fast grenzenlose Erreichbarkeit an 365 Tagen im Jahr. Nicht jeder, der hier auf ein einträgliches Geschäft und vielleicht das schnell Geld hofft, ist auch bereit diesen Preis zu zahlen.

Unseriösen Anbietern bieten die besonderen Marktverhältnisse ebenfalls ein relativ langes Zeitfenster für ihre Umtriebe. Die meisten Kunden wenden sich nur einmal mit einem Auftrag an einen Ghostwriter. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Kunden später nicht über Ihren Auftrag berichten und Werbung getrieben, weder im positiven noch im negativen Sinne. Es ist also praktisch unmöglich, sich einen guten oder auch schlechten Ruf aufzubauen. Auch der Blick in die verschiedenen Foren hilft da nicht wirklich weiter. Mein Eindruck ist, dass sich diverse Anbieter hier gerne mal selbst über den Klee loben.

Letztlich bleibt der potenzielle Kunde also mit seiner Entscheidung, an welchen Ghostwriter er sich denn nun vertrauensvoll wenden kann, allein. Auch ich werde mich an dieser Stelle zurückhalten, zitiere hier aber gerne den Kommentar eine ehemaligen Kunden: „Wissen Sie, was mich letztlich bewog, Ihre Dienste in Anspruch zu nehmen!? Es war die Freiwilligkeit, die Sie mir ohne Bedingung bei unserem ersten Gespräch in relativ verzweifelter Lage meinerseits gelassen hatten. Diese Wahl hat man selten im Leben – bleiben Sie bei dieser Linie„.

Lesen Sie auch den dritten Teil dieser Artikelreihe: Der Ghostwritermarkt Teil 3: Die Nachfragerseite